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„Junge Forscher:innen inspirieren und unterstützen“

Interview mit der neu gewählten Nachwuchsvertreterin im Internen Beirat der Zoonosenplattform über ihren Weg in die Forschung, die Bedeutung der Zoonosenforschung und ihre Motivation als Nachwuchsvertreterin.

Das zentrale wissenschaftliche Steuerungsgremium der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen ist der Interne Beirat. Er vertritt die Zoonosenplattform nach außen und führt gemeinsam mit der Geschäftsstelle die laufenden Geschäfte. Dabei nimmt er übergeordnete Aufgaben wahr und trifft wissenschaftsrelevante Entscheidungen. Um auch den wissenschaftlichen Nachwuchs eine Stimme in diesem Gremium zu geben, ist ein Platz im Internen Beirat für eine/n Nachwuchsvertreter:in reserviert. Die Wahl hierzu erfolgt jährlich im Rahmen des Junior Scientist Zoonoses Meetings (JSZM).

Beim JSZM 2022, das vom 23. – 24. Juni 2022 in Hannover stattfand, wurde die Nachwuchsvertretung für die Amtszeit 2022/23 von den Anwesenden gewählt. Die Wahl fiel auf Sabrina Clever. Sie ist Doktorandin im PhD-Programm „Infection Biology“ der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), absolviert ihre Studien jedoch an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Sabrina Clever wird das Amt zum Start der neuen Amtszeit Anfang Oktober 2022 von der aktuellen Nachwuchsvertreterin Alexandra Herbst übernehmen.

Wir haben mit der neuen Nachwuchsvertreterin über ihre Forschung, aber auch über die Bedeutung der Zoonosenforschung allgemein und über ihre Motivation und Ziele im neuen Amt gesprochen.

Liebe Sabrina, die Zoonosenforschung ist ein sehr interdisziplinäres Feld und dementsprechend vielfältig sind die Wege dorthin. Wie bist Du in die Zoonosenforschung gekommen? Was hast Du studiert?

Ich habe im Bachelor Biologie und im Master Biomedizin studiert und mich schon immer sehr für Immunologie und Infektionskrankheiten interessiert. Im Bewerbungsprozess des PhD-Programmes „Infection Biology“ der MHH bin ich dann auf mein PhD-Projekt gestoßen. Das Projekt wurde dort ausgeschrieben und hat mich direkt sehr interessiert. Im Rahmen meiner Studien bin ich somit in der Zoonosenforschung tätig.

Dein PhD-Projekt führst Du an der Tierärztlichen Hochschule Hannover durch. Worum geht es in dem Projekt?

Mein Projekt beschäftigt sich mit prä-klinischen Studien in der Maus für MVA-basierte SARS-COV-2 Impfstoffe. MVA ist ein modifiziertes Pockenvirus, welches schon länger als geeigneter Impfvektor beschrieben ist. In diesem Projekt werden drei verschiedene Impfstoff-Kandidaten auf ihre Immunogenität und Schutzwirkung untersucht. Bei dem ersten Kandidat-Impfstoff wurde die Sequenz des Spike Proteins (S-Protein) in das Vektor-Virus (MVA) eingebracht, beim zweiten die Sequenz des Nucleocapsid Proteins (N-Protein) und im dritten eine Kombination aus S- und N‑Protein. In Mausstudien werden diese Impfstoffe dann einzeln verimpft und durch eine darauffolgende Belastungsinfektion mit SARS-CoV-2 die Schutzwirkung dieser Impfstoffe ermittelt.

Sabrina_Clever

 

Foto: Sabrina Clever, Doktorandin an der MHH/ TiHo Hannover, wurde im Rahmen des JSZM 2022 wurde für die Amtszeit 2022/23 als Nachwuchsvertreterin in den Internen Beirat der Zoonosenplattform gewählt

Warum hast Du Dich ausgerechnet für dieses Thema in Deiner Doktorarbeit entschieden?

Die Kombination von virologischen und immunologischen Aspekten in diesem Projekt war für mich sehr spannend. Außerdem bietet die Impfstoff- und Infektionsforschung zahlreiche diverse Methoden und Themengebiete, welche das Projekt durchgehend interessant und abwechslungsreich gestalten. Zudem erlaubt dieses Projekt mehr Einblick in den gesamten Entwicklungsprozess eines Impfstoffes, was gerade in der heutigen Zeit sehr relevant ist.

Warum glaubst Du ist die Erforschung von zoonotischen Erregern im Allgemeinen so wichtig?

Durch die zunehmende Globalisierung und Erschließung neuer Habitate, ist der Mensch immer mehr mit verschiedensten Erregern in Kontakt. Enger Kontakt mit Nutztieren und Haustieren sowie Nutzung von wildlebenden Tieren bleiben weiterhin in unserem Leben bestehen, was ein Risiko für zoonotische Übertragungen darstellt. Viele zoonotische Erkrankungen müssen weiterhin erforscht werden, um die Pathogenese besser zu verstehen. Denn nur so können effektive und adaptierte Impfstoffe und Therapeutika entwickelt werden, die uns vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen können. Gerade die COVID-19 Pandemie hat gezeigt, wie wichtig diese Forschung für die Menschheit ist.

Es stehen also noch wichtige Aufgaben für die kommende Generation an Forscher:innen an. Planst Du nach Deiner Promotion in der Forschung zu bleiben?

Ich würde sehr gerne nach der Promotion eine Post-Doc Stelle in der Forschung übernehmen, da sich dabei noch viele weitere Aspekte des Forschungsalltags einsehen lassen. Die Eindrücke aus der Forschungswelt nochmals aus einer anderen Perspektive zu betrachten, fände ich sehr spannend. Zudem werden sich hoffentlich erneut interessante Projekte mit etwas gesteigerter Verantwortung und diverseren Aufgaben dadurch ergeben.

Welche Herausforderungen siehst Du für junge Wissenschaftler:innen in der Forschung?

Generell bedarf es einer gesunden Motivation und viel Arbeitseinsatz, um in der Forschung Fuß zu fassen. Außerdem sind eine hohe Frustrationstoleranz und ein gewisser Grad an Flexibilität sehr von Vorteil.

Warum hast Du dich entschieden für das Amt der Nachwuchsvertreterin im Internen Beirat der Zoonosenplattform zu kandidieren?

Für mich ist die Möglichkeit, schon als PhD-Studentin hinter die Kulissen einer großen Forschungsplattform gucken zu können, sehr spannend und hilfreich. Es ergibt sich dadurch nochmal eine neue Perspektive auf die Forschungswelt. Zudem kann man einen Einblick in die Tätigkeiten bekommen, die in folgenden Positionen auf einen zukommen können. Außerdem hat man durch dieses Amt auch schon frühzeitig eine Chance auf gute Vernetzung und die Möglichkeit sich mit erfahrenen Forschern und Forscherinnen auszutauschen.

Gibt es bestimmte Dinge, die du in deiner Amtszeit auf den Weg bringen möchtest?

Ich würde mich freuen dazu beitragen zu können, dass junge Forscher und Forscherinnen vielseitig inspiriert und unterstützt werden, um sie vor allem langfristig für die Forschung begeistern zu können.

Darüber hinaus hoffe ich, dass man ihnen weiterhin frühzeitig viele Chancen bieten kann, in große und wichtige Strukturen, wie der Zoonosenplattform, hineinzublicken.

Das klingt nach erstrebenswerten Zielen für Deine Amtszeit! Wir freuen uns auf jeden Fall auf die Zusammenarbeit und danken Dir für das Gespräch.

Interview: Dr. Dana A. Thal, Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

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