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Ein Kessel Buntes

Beim Junior Scientist Zoonoses Meeting 2021 war für jeden etwas dabei

Das Junior Scientist Zoonoses Meeting (JSZM) ist das jährliche Treffen des wissenschaftlichen Nachwuchses der Zoonosenplattform. Im Jahr 2020 musste das Treffen aufgrund der SARS-CoV-2 Pandemie in einer abgespeckten Form online stattfinden. Ein Jahr später bestimmt diese Pandemie nach wie vor viele Bereiche unseres Lebens. Folgerichtig fand auch das JSZM 2021 erneut online statt. Aber über ein Jahr Pandemie hat auch Vieles verändert und so war dank der gesammelten Erfahrung mit Onlineveranstaltungen dennoch ein spannender Austausch möglich. Nur der gemeinsame Biergartenbesuch am Ende des Tages musste leider wieder entfallen.

Netzwerke sind ein wichtiger Baustein in einer wissenschaftlichen Karriere. Dies gilt insbesondere in einem so interdisziplinären Bereich wie der Zoonosenforschung. Die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen ist deshalb bestrebt, jungen Wissenschaftler*innen bereits früh in ihrer Karriere beim Aufbau dieser Netzwerke zu helfen und einen Austausch zwischen den zahlreichen Fachbereichen der Zoonosenforschung anzuregen. Neben spannenden Talks von Gastredner*innen gehörte daher auch die Vorstellung der eigenen Forschungsarbeiten zum Programm des JSZM 2021, zu dem sich über 40 Doktorand*innen und Postdocs am 03. und 04. Juli 2021 online zusammenfanden.

MHG_JSZM2021Abb. 1: Prof. Dr. Martin Groschup, Leiter des INNT am FLI teilte auf dem Meeting eigene Karriereerfahrungen

Karrierewege gestalten

In seinem Eröffnungsvortrag beim JSZM 2021 erörterte Prof. Martin Groschup, Leiter des Instituts für neue und neuartige Tierseuchenerreger am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), wie wichtig gebildete Netzwerke für seine eigene Karriere waren und sind. Den jungen Wissenschaftler*innen gab er mit auf den Weg, dass ein Karriereweg oft keine breit asphaltierte gradlinige Straße sei, sondern von kleinen Hindernissen, Kurven und vor allem einer Vielzahl an Weggabelungen und damit Wahlmöglichkeiten geprägt sei. Eine solche Wahlmöglichkeit kann zum Beispiel ein Auslandaufenthalt sein. Wie sich dieser durch eine Förderung des Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) finanzieren lassen kann, erörterte Dr. Holger Finken, Referatsleiter Forschungsprogramme beim DAAD den Teilnehmenden beim Meeting.

Tools moderner Zoonosenforschung – alternative Versuchsmodelle und NGS

Der Gastbeitrag von Prof. André Bleich von der Medizinischen Hochschule Hannover widmete sich alternativen Modellen zu Tierversuchen. Er stellte die Initiative „Replace und Reduce aus Niedersachsen“ (R2N) vor, eine Initiative von 15 Arbeitsgruppen, die an Ersatz- und Ergänzungsmethoden für eine zukunftsweisende biomedizinische Forschung arbeiten. In diesem Bereich seien in den letzten Jahren bereits riesige Fortschritte erzielt worden, so dass für bestimmte Untersuchungen Tierversuche tatsächlich überflüssig geworden seien.

R2N_JSZM2021

 

 

Abb. 2: Prof. Dr. André Bleich von der MHH gab spannende Einblicke in die Arbeiten des R2N Verbundes in Niedersachsen

Ein weiteres Themengebiet, in dem in den letzten Jahren unglaubliche Fortschritte erzielt werden konnten, ist das Next Generation Sequencing (NGS), über welches Prof. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI, auf dem Meeting berichtete. Auch wenn seine provokative Aussage am Beginn seines Vortrags, wonach Forschung nur gut sei, wenn sie NGS Methoden enthielte, für schmunzelnde Gesichter sorgte, konnte er in seinem weiteren Vortrag beeindruckende Beispiele aus seiner Forschung für die Bedeutung von NGS in der Zoonosenforschung vorstellen. Insbesondere in der epidemiologischen Untersuchung von Ausbruchsgeschehen auf Genomebene und bei dem Finden neuer Erreger spielt NGS eine bedeutende Rolle.

Viren gestern und heute

Eine Untersuchung von Ausbruchsgeschehen ist in einigen Fällen auch retroperspektiv möglich, vorausgesetzt es gibt Probenmaterial, aus dem sich DNA/ RNA isolieren lässt. Diesen etwas anderen Forschungsansatz zur Virusevolution, der sich mit Erregern der Vergangenheit beschäftigt, stellte Dr. Sébastien Calvignac-Spencer, Leiter der Arbeitsgruppe Virusevolution am Robert Koch-Institut, vor. Im aktuellen Pandemiegeschehen hingegen ist die Forschung von Prof. Gülsah Gabriel verankert. Die Forscherin, die sich normalerweise mit dem Influenzavirus beschäftigt, stellte in ihrem Vortrag spannende Ergebnisse ihrer Forschungsgruppe zur Rolle von Sexualhormonen während einer COVID-19 Erkrankung vor.

Forschungskommunikation in Schrift und Bild

Neben den Einblicken in unterschiedliche Themenbereiche der Zoonosenforschung waren auch Visualisierungen von Forschungsergebnissen und wissenschaftliches Schreiben Themen des Meetings. Dr. Julie Davies, die an der Supportstelle Englisch der Universität Münster und an der Universität Paderborn tätig ist, berichtete über wichtige Aspekte der schriftlichen Kommunikation von Forschung in Englisch und über mögliche Stolpersteine. Eine weitere Form die eigenen Forschungsergebnisse zu kommunizieren sind Abbildungen. Diese zu erstellen hat sich der promovierte Molekularbiologe Dr. Thomas Splettstößer zum Beruf gemacht. Wie es dazu kam und wie seine Arbeit unter seinem Label SCIstyle aussieht, erzählte Dr. Splettstößer unterhaltsam auf dem Meeting. Neben vielen schönen Bildern hatte er dabei auch viele nützliche Tipps für seine Zuhörer*innen im Gepäck.

SCIstyle_JSZM2021

Abb. 3: Dr. Thomas Splettstößer stellte seine beeindruckenden Arbeiten, die er unter seinem Label SCIstyle erstellt, vor

Gute Voraussetzungen für die Zukunft

Das Highlight des Meetings stellten jedoch die Postersessions dar, in denen die Teilnehmenden ihre eigene Forschungsarbeiten dem Publikum vorstellten. In beeindruckender Art und Weise nutzen die jungen Wissenschaftler*innen ihre 5 Minuten Redezeit und beantworteten kompetent etwaige Fragen in den anschließenden Diskussionsrunden. Auch wenn hier das Onlineformat die Diskussion erschwerte und die weiteren Gespräche in den Kaffeepausen definitiv fehlten, war dennoch ein Austausch der Nachwuchswissenschaftler*innen untereinander möglich. Die Fülle an Forschungsthemen und das Interesse an den Forschungsthemen untereinander gibt Grund zur Hoffnung, dass die Zoonosenforschung in Deutschland auch zukünftig auf hohem Niveau und mit einem interdisziplinären Grundverständnis stattfinden wird.

Impressionen_JSZM2021

Abb. 4: Das Meeting wurde getragen durch die zahlreichen beeindruckenden Beiträge der Nachwuchswissenschaftler*innen

 

Neue Nachwuchsvertreterin gewählt

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des JSZM 2021 war die Wahl der Nachwuchsvertretung für den Internen Beirat der Zoonosenplattform. Damit auch der Nachwuchs eine Stimme in diesem wichtigen Gremium hat, wird jedes Jahr eine Vertretung aus den Reihen der Nachwuchswissenschaftler*innen beim JSZM gewählt. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Alexandra Herbst. Die Doktorandin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist Teil des          PhD Programms „Animal and Zoonotic Infection“ und Mitglied im DFG geförderten Graduiertenkolleg VIPER (Virus detection, pathogenesis and intervention). In ihrer Forschungsarbeit widmet sie sich der Rolle einer bestimmten Proteinklasse (Importin-α) in der Übertragung von Influenza A Viren zwischen Spezies.  Zudem befindet sich Frau Herbst aktuell in der Weiterbildung zur Fachtierärztin für Mikrobiologie.

Auch wenn am Ende der gemeinsame Besuch im Biergarten fehlte, war das Meeting dennoch eine schöne Gelegenheit junge Wissenschaftler*innen der Community zusammenzubringen und ihren Forschungsarbeiten eine Bühne zu geben. Wir hoffen, dass dies 2022 wieder in Präsenz und mit mehr Kaffeepausen und einem abschließenden gemeinsamen Besuch im Biergarten möglich sein wird.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für die tollen Beiträge zum Meeting.

Text: Dr. Dana A. Thal, Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

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