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7 Fragen an ... Prof. Dr. Christiane Herden

© Justus-Liebig-Universität

7 Fragen an … Prof. Dr. Christiane Herden

Prof. Dr. Christiane Herden leitet aktuell das Institut für Veterinär-Pathologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Innerhalb des Forschungsnetzes Zoonotische Infektionskrankheiten ist sie Teil des Verbundes ZooBoCo.

 

Womit beschäftigen Sie sich innerhalb des Verbundes ZooBoCo schwerpunktmäßig?

Ich bin von Haus aus Veterinär-Pathologin mit dem Schwerpunkt Neuropathologie und Neurovirologie. Im Rahmen des Teilprojekts 3 des ZooBoCo-Verbundes beschäftige ich mich in Kooperation mit Frau Dr. Donata Hoffmann vom Friedrich-Loeffler-Institut mit Studien zur Pathogenese der Bornavirusinfektionen, sowohl des neuen VSBV-1 als auch des schon länger bekannten BoDV-1. Unser Schwerpunkt ist die Etablierung und Nutzung von Tiermodellen, die die Erkrankung abbilden können. Diese Modelle sollen die Erkrankung in den Fehl- bzw. Endwirten wie dem Pferd oder Menschen und möglichst auch die Infektion bei den Reservoirtieren, also der Spitzmaus bei BoDV-1 und den Hörnchen-Spezies beim neuen VSBV-1, nachstellen. Hier geht es darum, die Pathogenese in den verschiedenen Verlaufsformen zu untersuchen. Dabei geht es unter anderem um die Fragen nach der Reaktion des Immunsystems und der Einschätzung der Risikofaktoren zum Beispiel bei der Übertragung des Virus.

 

Wie kamen Sie darauf, sich mit Spitzmäusen auseinanderzusetzen?

Vor ungefähr zehn Jahren gab es erste Berichte aus der Schweiz, dass die dortigen Feldspitzmäuse das Reservoir für das klassische Bornavirus darstellen könnten. Das hat uns zu der Idee geführt, in weiteren Endemiegebieten zu forschen, ob es auch in diesen Gebieten sein könnte, dass hier Feldspitzmäuse Träger des Bornavirus sind. In einer ersten Studie, die wir in Bayern durchführten, konnten wir die Lebensweise der Spitzmäuse mit den geografischen Daten, die das natürliche Vorkommen von Bornainfektionen beim Pferd aufzeigen, abgleichen. Wir sahen dann: Dort, wo die Feldspitzmaus vorkommt, tritt auch die Bornavirus-Infektion beim Pferd auf. Im Anschluss haben wir gezielt nach Feldspitzmäusen gesucht und bei ihnen schließlich das Virus nachgewiesen. Weitere Studien in allen Endemiegebieten konnten diesen Zusammenhang belegen. Es lag dann auf der Hand, dass es nützlich wäre, diese Tiere auch in der Zucht und Haltung zu haben, um damit ein Tiermodell für konkrete Forschungsfragen zu entwickeln.

 

Sind Spitzmäuse eine bislang noch zu wenig untersuchte Spezies?

Definitiv. Es gibt einige biologische Parameter, zur normalen Physiologie dieser Tiere gibt es jedoch wenig. Auch zur Nutzung als Tiermodell innerhalb der biomedizinischen Forschung und Reservoirforschung findet man wenige bis keine Daten. Beispielsweise waren die Blutwerte der Spitzmäuse und die Enzymwerte ihrer Organe unzulänglich unbekannt.

 

Bei ZooBoCo geht es um die Bornaviren-Forschung. Sind Spitzmäuse auch Träger bzw. Reservoirtiere für andere zoonotische Viren?

Das ist eine interessante Frage, die sicherlich noch weitergehend untersucht werden muss. Wir haben bisher bei der Feldspitzmaus keine anderen Viren gefunden. Aber auch bei anderen Spitzmausarten kann es natürlich sein, dass sie aufgrund ihrer Physiologie oder ihres Immunsystems besonders geeignet sind, Virusreservoir zu sein. Das muss noch weiter erforscht werden.

 

Stehen bei Ihrer Forschung insbesondere die neuronalen Zusammenhänge im Vordergrund?

Genau, es geht bei mir um die Lehre von den Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems bei Tieren. Ich habe aber durchaus auch Kooperationen mit der Humanmedizin, wo wir beispielsweise vergleichen, ob sich die Tumore im zentralen Nervensystem bei Tieren denen von Menschen ähneln und ob man hier Gemeinsamkeiten oder Modellcharakter erkennen kann. Gerade auf den Gebieten der Neurovirologie und Pathogenese überschneiden sich die veterinär- und humanmedizinischen Fragestellungen. Von großer Bedeutung sind dabei die Entzündungen, die mit neurotropen Virusinfektionen einhergehen.

 

Sie sind aktuell Leiterin des Instituts für Veterinär-Pathologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Welche Forschungsschwerpunkte umfasst das Institut?

Innerhalb meiner Professur sind das neben der Neuropathologie und der Neurovirologie die Virusökologie und Wildtierforschung. Dazu gehören auch die Etablierung und Nutzung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen. Darüber hinaus ist auch die Tumorbiologie Bestandteil unserer Forschung.

 

Was genau ist das ‚Center for Mind, Brain and Behavior‘ des Forschungscampus Mittelhessen, von dem Sie Teil sind?

Der Forschungscampus Mittelhessen umfasst die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Philipps Universität Marburg und die Technische Hochschule Mittelhessen. Das CMBB ist ein Zentrum, das interdisziplinäre Forschungsvorhaben in allen Bereichen von „Mind“, „Brain“ und „Behavior“ ermöglicht. Dadurch werden die Vernetzung und der Austausch von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen wie Biologie, Psychologie, Neuro-Wissenschaften, Veterinärmedizin und Humanmedizin gefördert und gleichzeitig Kooperationen initiiert. Weitere Verbundprojekte können so entstehen.

 

Das Gespräch führte Christoph Kohlhöfer

Koordinationsbüro

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