Direkt zum Inhalt
  • 0
  • 1

One Health Zertifikat erstmals vergeben

Interview mit der ersten Trägerin des One Health Zertifikates der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen

Zoonosenforschung ist vielfältig und interdisziplinär. Dies stellt besondere Ansprüche an den wissenschaftlichen Nachwuchs in diesem Bereich. Das One Health Zertifikat der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen soll daher die interdisziplinäre Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden in der Zoonosenforschung unterstützen und eine bestmögliche Qualifizierung für eine weiterführende Tätigkeit in diesem Bereich fördern. Zudem soll das One Health Zertifikat die Integration von jungen Wissenschaftler*innen in die Zoonosenforschungs-Community fördern. (Weitere Informationen zum One Health Zertifikat finden Sie hier.)

Das Zertifikat wurde 2019 ins Leben gerufen. Bereits ein Jahr später können wir erstmalig das Zertifikat an eine frisch gebackene Doktorin aus der Community verleihen. Frau Dr. Katharina Hommerich von der TiHo Hannover ist die erste Zertifikatsträgerin. Mit ihr sprachen wir über ihre Promotion, das Zertifikat und über den One Health-Gedanken im Allgemeinen.

Frau Dr. Hommerich, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss Ihrer Doktorarbeit! Womit haben Sie sich in Ihrer Arbeit beschäftigt? Warum fällt Ihre Arbeit in den Bereich der Zoonosenforschung?

Vielen Dank.

Im Rahmen meiner Doktorarbeit habe ich mich mit dem Antibiotikaeinsatz in deutschen Milch- und Rindermastbetrieben beschäftigt. Als Datengrundlage dient das Projekt VetCAb-S (Veterinary Consumption of Antibiotics - Sentinel). Dessen Ziel ist es, das Verschreibungsverhalten der Tierärzte im Verlauf der letzten Jahre abzubilden, indem Antibiotikaverbrauchsdaten Nutztiere haltender Betriebe kontinuierlich erfasst und epidemiologisch ausgewertet werden.

Der Einsatz von Antibiotika, eines der wichtigsten Therapeutika in der Human- sowie Tiermedizin, stellt einen wichtigen Faktor für die Bildung antimikrobieller Resistenzen dar. Um die Wirksamkeit von Antibiotika langfristig sicher zu stellen, gilt es den Zusammenhang zwischen deren Einsatz und der zunehmenden Bildung von Resistenzen bei Tier und Mensch zu verstehen. Dafür werden detaillierte Informationen unter anderem über die Menge und Art eingesetzter antibiotischer Wirkstoffe benötigt. Erkenntnisse im Bereich der Resistenzenbildung unterstützen auch die Zoonosenforschung.

Was war Ihre persönliche Motivation für die Erlangung des One Health Zertifikates?

Da mein Doktorvater, Prof. Lothar Kreienbrock, viel Wert auf eine interdisziplinäre Ausbildung legt, ermöglichte er mir die regelmäßige Teilnahme an wissenschaftlichen Veranstaltungen wie Tagungen und Workshops, was die Grundlage zur Erlangung des Zertifikats bildete. Eine besondere Motivation stellte dabei die Möglichkeit dar, persönliche Kontakte innerhalb des Zoonosennetzwerks herzustellen und auszubauen.

Inwieweit konnten Sie von Angeboten der Zoonosenplattform profitieren?

Das jährlich in Berlin stattfindende Symposium ist eine gute Gelegenheit für den gegenseitigen Austausch. Gerne erinnere ich mich an den eindrucksvollen Vortrag von Herrn Dr. David Bardens während der Abendveranstaltung des Symposiums 2017, über den bekannten, von ihm geführten Rechtsstreit – den „Masern-Prozess“. Auch die persönlichen Karriereeinblicke, die uns die Gastredner während des Junior Scientist Zoonoses Meetings 2019 geboten haben, waren sehr spannend und ich konnte den ein oder anderen dort erhaltenen Tipp bereits umsetzen.

 

Frau Dr. Katharina Hommerich ist die erste Trägerin des One Health Zertifikates der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen. In ihrer Doktorarbeit an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) in Hannover beschäftigte sie sich mit dem Antibiotikaeinsatz in deutschen Milch- und Rindermastbetrieben, ein wichtiges Thema an der Schnittstelle von Umwelt, Veterinär- und Humanmedizin. (Bild: K. Hommerich)

Was halten Sie von dem One Health-Gedanken? Glauben Sie, dass die Zoonosenforschung davon profitiert?

Das aktuelle Beispiel der Corona-Pandemie zeigt, wie sehr Gesundheit und Krankheit von Menschen und Tieren zusammenhängen. Nur durch eine enge und fachübergreifende Zusammenarbeit des gesamten Gesundheitssektors ist eine ganzheitliche Betrachtung möglich. So profitieren alle mitwirkenden Bereiche von dem gemeinsam generierten Wissensvorsprung.

Die Umsetzung des One Health-Gedankens erfordert „interdisziplinäre Zusammenarbeit“. Um diesen Begriff ausfüllen zu können, ist sehr viel Engagement gefordert. Wie haben Sie persönlich das interdisziplinäre Arbeiten empfunden – mehr als Fluch oder mehr als ein Segen?

Unbedingt als Segen, da man aus dem eigenen Institut und Tätigkeitsfeld heraus motiviert wird, „über den Tellerrand“ zu schauen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Aktuell befinde ich mich in Elternzeit. Im Anschluss daran möchte ich gerne meine Ausbildung zum Fachtierarzt für Epidemiologie beenden.

Frau Dr. Hommerich, vielen Dank für das Gespräch. Für Ihre berufliche Zukunft wünschen wie Ihnen alles Gute!

Artikel zu #

Passende Termine