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Nachbericht zum Workshop "Vektorübertragene Zoonosen - Aktuelle Szenarien in Deutschland und darüber hinaus" 

Am 14. Mai 2019 fand in den Räumlichkeiten der TMF in Berlin der Workshop „Vektorübertragene Zoonosen - Aktuelle Szenarien in Deutschland und darüber hinaus“ statt. Der Workshop gliedert sich in die Reihe der gemeinsam von der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen Düsseldorf und der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen ausgerichteten Veranstaltungen ein, die einen stärkeren Austausch zwischen dem Öffentlichen Gesundheitsdienst und der Forschung anstreben. 

Der Workshop, welcher von Wissenschaftler*innen sowie von Vertreter*innen des Öffentlichen Gesundheitsdiensten besucht wurde, adressierte eine Vielzahl verschiedener Arbovirosen (durch Arthropoden übertragene Viruskrankheiten), wobei in diesem Fall vor allem Mücken und Sandfliegen als Krankheitsüberträger im Fokus standen.  

Einen ersten Einstieg in die Thematik gab Dr. Daniel Kiefer. Der promovierte Biologe erläuterte die Relevanz vektorübertragener Zoonosen für seinen Arbeitgeber, die US-amerikanische Armee, und stellte in groben Zügen deren Maßnahmen zur Vektorkontrolle und -management dar. Er unterstrich die Wichtigkeit von Monitoring-Maßnahmen, um eine valide Datengrundlage als Fundament für vorzugsweise präventive Handlungsmaßnahmen zu haben.  

Einen detaillierteren Blick auf zwei ursprünglich eher südlich beheimatete Zoonosen, die sich in den letzten Jahren auch in Deutschland ausbreiten konnten, das Usutu-Virus und das West-Nil-Virus, warf Dr. Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. Er thematisierte die stark angestiegenen Fallzahlen für beide Viren in Deutschland im Jahr 2018, wobei die warmen Temperaturen in dem Jahr vermutlich zur verbesserten Transmission des West-Nil-Virus beigetragen haben. In der nachführenden Diskussion wurden Monitoringprogramme für die beiden Erreger sowie deren Vektoren des BNITM und des Naturschutzbund Deutschland (NABU) sowie vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. und dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) benannt. 

 Die Wichtigkeit einer gut etablierten Diagnostik bei vektorübertragenen Zoonosen wurde von Prof. Dr. Felix Drexler (Charité Berlin) anhand von Daten des Zika-Ausbruches in Brasilien erläutert. Indes schätze er die Gefahr eines ähnlichen Ausbruchsszenarios für diesen Erreger in Deutschland als sehr gering ein.  

Der Blickpunkt des Landwirtes auf vektorübertragene Zoonosen in Deutschland wurde von Dr. Mark Holsteg (Landwirtschaftskammer NRW) am Beispiel des Schmallenberg-Virus bei der Rinderpopulation in Deutschland zur Sprache gebracht. Bei der Diagnose dieses neuen Erregers konnte der Tiergesundheitsdienst auf eine als Antwort auf das Auftreten der Blauzungenkrankheit in den Vorjahren etablierte Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Loeffler-Institut zurückgreifen, um die Tierärzte und Landwirte vor Ort zu unterstützen. Die enge Kooperation von Gesundheitsdienst und Forschung war hier von Vorteil. Allerdings wurde auch deutlich, dass vorbeugende Maßnahmen zur Verbreitung von Zoonosen (Vektorbekämpfungen, Handelsbeschränkungen, Impfungen) in der Landwirtschaft auch immer in Hinblick auf deren Wirtschaftlichkeit bewertet werden. 

Die Herausforderung für den ÖGD den Transfer von Forschung in die Praxis zu realisieren thematisierte Dr. Christiane Wagner-Wiening (Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg). Oft seien ungeklärte Zuständigkeiten oder unterschiedliche Interessen hinderlich für erfolgreiche Monitoring- und rasche Bekämpfungsmaßnahmen auf kommunaler Ebene. Sie betonte, dass man die Ausbreitung von sich neu ansiedelnden Vektoren nicht ein Jahr lang beobachten könne, bevor man mit der Bekämpfung beginnt. Um diese Problematik zu adressieren, wird im Rahmen eines Forschungsprojektes, koordiniert durch das BMBF geförderte Forschungsnetz Zoonotische Infektionskrankheiten, die Frage nach „Gesetzlichen Grundlagen, Zuständigkeiten und Entscheidungshilfen für die Prävention und Kontrolle von A. albopictus und Arbovirus-Infektionen auf kommunaler Ebene“ adressiert. Das Projekt ist Teil einer Reihe von ÖGD-Projekten im Rahmen des Forschungsnetzes Zoonotische Infektionskrankheiten (https://zoonosen.charite.de/verbuende_und_projekte/oegd_projekte/), welche Fragestellungen, die aus der täglichen Arbeit des ÖGD bzw. des Veterinärdienstes resultieren, behandeln. Diese sogenannten ÖGD-Projekte stellen ein wertvolles Tool zur verstärkten Vernetzung von Zoonosenforschung und Praxis dar. 

Zwei Nachwuchsgruppenleiterinnen innerhalb des benannten Forschungsnetzes Zoonotische Infektionskrankheiten beschlossen dann den Workshop mit ihren Beiträgen. 

Prof. Dr. Ruth Müller (Goethe Universität Frankfurt, Institute of Tropical Medicine Antwerpen) behandelte verschiedenen Mückenarten als potentielle Vektoren zur Übertragung von Dengue- und Chikungunyaviren in ihrem Vortrag.  Sie beleuchtete das komplexe Zusammenspiel von Vektor, Erreger, dem ÖGD und dem globalen Wandel. Die Entomologin, welche sich in ihrer Forschung hauptsächlich mit der Untersuchung des Vektors, der Stechmücke, beschäftigt, formulierte als anzustrebendes Ziel in der Zoonosenbekämpfung ein „lokal angepasstes Vektormanagement mit Bürgerbeteiligung“. Hierbei seien ökologische, soziologische und globale Aspekte zu berücksichtigen. Die enge Zusammenarbeit zwischen ÖGD und Forschung sei essentiell.  

Zur Evolution und potentiellen Ausbreitung neuartiger Arboviren sprach PD Dr. Sandra Junglen (Charité Berlin). Sie erklärte, dass die heute bekannte Diversität von Arboviren vermutlich nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Diversität abbildet, da sich die Untersuchungen hauptsächlich auf Fälle beim Menschen, Nutztieren und Haustieren beschränken. Arboviren in Wildtieren hingegen sind sehr viel schlechter untersucht. Dabei spiele die Biodiversität eines Erregers durchaus eine Rolle bei dessen Pathogenitätsrisiko. Ein ausreichendes Monitoring außerhalb von EU-Ländern sei indes ein wichtiges Vorgehen um präventiv und nicht nur reaktiv bei dem Ausbruch neuer Erreger handeln zu können. 

Dr. Peter Tinnemann (Akademie für öffentliches Gesundheitswesen) und Dr. Dana Thal (Nationale Forschungsplattform für Zoonosen) leiteten durch die Veranstaltung. Die regen Diskussionen und die hohe Anzahl der Teilnehmenden belegten die Relevanz der behandelten Themen und den erfolgreichen Austausch von ÖGD und Forschung.


Referenten und Moderatoren des Workshops „Vektorübertragene Zoonosen - Aktuelle Szenarien in Deutschland und darüber hinaus " am 14.05.2019 in Berlin. V. l. n. r.: Dana Thal (Nationale Forschungsplattform für Zoonosen), Peter Tinnemann (Akademie für öffentliches Gesundheitswesen), Ruth Müller (Goethe Universität Frankfurt, Institute of Tropical Medicine Antwerpen), Renke Lühken (Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin), Sandra Junglen (Charité Berlin), Daniel Kiefer (US Army), Mark Holsteg (Landwirtschaftskammer NRW), Christiane Wagner-Wiening (Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg)


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